Workshop: Mehr miteinander statt übereinander reden
Brasilien, Libanon, Ukraine, Syrien, Albanien, Tadschikistan, Somalia – aus diesen Ländern kommen die etwa 12- bis 14-jährigen Jungen und Mädchen an der Erkelenzer Hauptschule, die im Dezember an einem Workshop rund um das Thema Antidiskriminierung teilgenommen haben. Alle befinden sich in der Deutsch-Förderung, was aber kaum jemanden daran hinderte, sich aktiv zu beteiligen. Was bedeutet Respekt für dich? fragte Coach Mohamed El Boujaddaini jeden einzelnen und bekam Antworten wie „Nett zu anderen sein“, „Anderen helfen“, „Andere nicht nerven…“
Mit einem Kartenspiel verdeutlichte der Trainer, wie schnell es zu Konflikten kommen kann, wenn man die Regeln des anderen nicht kennt und nur nach seinen eigenen Regeln spielen will. In einer ersten Spielrunde hatten die Kinder gesagt bekommen, welche Spielkartenfarbe Trumpf ist und spielten ohne Probleme. Danach sollte an jedem der vier Tische eine Person zu einem anderen Tisch wechseln und dort mitspielen. Außerdem durfte während des Spiels nicht gesprochen werden. Was die Schüler und Schülerinnen nicht wussten: An jedem Tisch war eine andere Farbe Trumpf, es gab also an jedem Tisch andere Regeln. Und so kam der neue Spieler am neuen Tisch schnell in Stress, weil ihm die anderen mit wilden Gesten und Kopfschütteln bedeuteten, dass er etwas „falsch“ oder „anders“ mache. „Genauso ist es, wenn man zum Beispiel aus einem anderen Land nach Deutschland kommt und die neuen Regeln nicht kennt oder akzeptiert“, erläuterte El Boujaddaini. Und wenn man dann die Sprache des neuen Landes nicht spreche, komme es schnell zu Unverständnis, Missverständnissen und Konflikten. „Nur wer die Verhaltensweisen und Traditionen der anderen kennt und akzeptiert, darf erwarten, dass auch die eigenen Vorstellungen respektiert werden.“ Leben und leben lassen – das war das Motto, dass der Antidiskriminierungscoach den Jungen und Mädchen ans Herz legte. Ob es um die Hautfarbe, Religion oder die Sexualität der anderen gehe, niemand solle diese aufgrund ihres Andersseins verurteilen.
Wie vorurteilsbehaftet jeder ist, deckte El Boujaddaini mit Fotos von prominenten und unbekannten Personen auf: Die Kinder sollten spontan nach dem Aussehen entscheiden, ob eine Person Muslim, Christ oder Jude ist, hetero- oder homosexuell, behindert oder nicht-behindert. Groß war die Überraschung bei der Auflösung, als die rothaarige, blauäugige junge Frau ohne Kopftuch sich als Muslima herausstellte und die blonde Politikerin im Kostüm als homosexuell. Andere nicht nach dem äußeren Augenschein in eine Schublade zu stecken, jedem eine Chance zu geben, indem man ihn kennenlernt – das war die Botschaft, die bei den Jungen und Mädchen für Gedankenanstöße sorgen sollte.
Bild: Mohamed El Boujaddaini begleitet die Jungen und Mädchen beim Kartenspiel. Foto: Andrea Ludwigs-Spalink


