Stark machen gegen Diskriminierung und Rassismus

 

Ankommen e.V. finanziert Workshop für Hauptschüler

Whitewashing, kulturelle Aneignung, Mikroaggression – was diese sperrigen Begriffe mit ihrem alltäglichen Leben zu tun haben, diskutieren jetzt 14 Jungen und Mädchen an der Gemeinschaftshauptschule Erkelenz in einem mehrmonatigen Antidiskriminierungstraining. Unter Leitung von Clarissa Fahrenholz werden die 13- bis 16-jährigen darin geschult, verschiedene Formen von Ausgrenzung zu erkennen und sich als „Diversity Scouts“ aktiv gegen Vorurteile und Benachteiligung und für Vielfalt und Toleranz an ihrer Schule zu positionieren. Finanziert wird das Training von der Erkelenzer Flüchtlingshilfe Ankommen e.V., die das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen und Nationen vor Ort fördert: „Wir setzen damit gleichzeitig das Programm `Ehrenamt im Kontext Prävention´ des NRW-Integrationsministeriums um“, erklärt Vorsitzende Andrea Ludwigs-Spalink. „Im Laufe unserer zehnjährigen Flüchtlingsarbeit haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir am nachhaltigsten bei der jungen Generation ansetzen, um unsere Demokratie zu stärken und ein Abrutschen in extreme Richtungen zu verhindern.“

Und so beschäftigen sich die Schüler und Schülerinnen mit und ohne Migrationsgeschichte jede Woche anhand von Beispielen aus ihrer Lebensrealität mit Themen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie, der Herabwürdigung von Behinderten und weiteren Diskriminierungsformen. Äußerungen von bekannten deutschen Sportlern wie von Basketballstar Dennis Schröder, der sich aufgrund seiner Hautfarbe von Deutschland nicht so geliebt fühlt wie Dirk Nowitzki, kommen genauso zur Sprache wie rassistische Sprüche gegen Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft, die einen Migrationshintergrund haben. Auch die Besetzung der Filmrolle der Meerjungfrau Arielle mit der schwarzen Halle Bailey und den gemischten Reaktionen darauf ist ein Beispiel, mit dem die Schüler und Schülerinnen etwas anfangen können. „Könnt ihr euch vorstellen, wie bedeutend es von schwarzen Kindern empfunden wird, wenn eine ihrer Kindheitsheldinnen die gleiche Hautfarbe hat wie sie?“, fragt Clarissa Fahrenholz, die selbst als Afrodeutsche in der Region aufgewachsen ist und aufgrund ihrer eigenen Rassismus-Erfahrungen von den Jugendlichen als besonders glaubwürdig anerkannt wird.

„Nach dem Training stehen die Scouts als Kontaktpersonen für Betroffene zur Verfügung, agieren als Vorbilder für respektvolles Miteinander und tragen damit zu einer positiven und inklusiven Schulkultur bei. Gerade als Gleichaltrige mit unterschiedlichen Hintergründen haben sie eine höhere Akzeptanz bei ihren Mitschülern und -schülerinnen“, sagt die Coachin. „Mir ist einfach wichtig, dass Vielfalt und Anderssein gefeiert werden und jeder Schüler und jede Schülerin sich sicher und akzeptiert fühlt.“  Zum Training gehören deshalb auch Rollenspiele und Übungen zur Kommunikation und Konfliktbewältigung sowie Informationen über rechtliche Grundlagen und Hilfsangebote für Betroffene.

Lehrer Thomas von Heel, der das Projekt als Beauftragter für „Schule ohne Rassismus“ begleitet, freut sich, dass die Jugendlichen gut mitmachen und offen von ihren Erlebnissen berichten. „Hoffentlich können wir die Ergebnisse aus dem Workshop innerhalb einer Projektwoche der gesamten Schule näherbringen. Das Schulklima, die Förderung von Vielfalt und Inklusion würden davon profitieren.“

Bild: Coachin Clarissa Fahrenholz, hier der Artikel in der RP vom 9.12.25, bildet 14 Jugendliche an der Gemeinschaftshauptschule Erkelenz zu Diversity Scouts aus. Foto: Andrea Ludwigs-Spalink

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